Brandklassen A, B, C, D und F: Was brennt und womit man löscht
Inhalt
- Die fünf Brandklassen nach EN 2
- Brandklasse A: feste Stoffe
- Brandklasse B: Flüssigkeiten
- Brandklasse C: Gase
- Brandklasse D: Metalle
- Brandklasse F: Speiseöle und Speisefette
- Warum es keine Brandklasse E gibt
- Lithium-Ionen-Akkus und die Klasse L
- Gleiche Buchstaben, andere Bedeutung
- Das Löschvermögen auf dem Feuerlöscher lesen
- Häufige Fragen
- Quellen
Nicht jeder Brand wird gleich gelöscht. Wasser löscht Holz, facht brennendes Öl an und explodiert auf brennendem Metall. Deshalb werden Brände nach dem brennenden Stoff in Klassen eingeteilt, und Löschmittel und Feuerlöscher tragen die Buchstaben dieser Klassen. Wer fünf Buchstaben versteht, weiß, welchen Löscher er nimmt und welchen er stehen lässt.
Die fünf Brandklassen nach EN 2
Die europäische Norm EN 2 teilt Brände nach dem Brennstoff ein. Die ursprüngliche Ausgabe von 1992 hatte vier Klassen, A bis D. Die Klasse F für Speiseöle und Speisefette kam später dazu.
| Klasse | Was brennt | Beispiele |
|---|---|---|
| A | feste Stoffe, meist organisch, brennen mit Flamme und Glut | Holz, Papier, Textilien, Stroh, Kohle, viele Kunststoffe |
| B | Flüssigkeiten und Stoffe, die flüssig werden | Benzin, Diesel, Alkohol, Lacke, Paraffin, Wachs |
| C | Gase | Propan, Butan, Erdgas, Wasserstoff, Acetylen |
| D | Metalle | Magnesium, Aluminiumpulver, Natrium, Kalium, Lithium, Titan |
| F | Speiseöle und Speisefette in Frittier- und Fettbackgeräten | Fritteuse, Pfanne, Fettbackkessel |
Ein E steht nicht in der Tabelle, und ein L steht noch nicht in der Norm. Beides hat seinen Grund, dazu weiter unten.
Brandklasse A: feste Stoffe
Das ist der häufigste Brand. Holz, Papier, Textilien und die meisten Kunststoffe brennen an der Oberfläche mit Flamme und im Inneren mit Glut. Das Löschen muss die Flamme ersticken und die Glut kühlen, sonst flammt der Brand wieder auf.
Wasser ist das beste Löschmittel, weil es kühlt. Ein Liter Wasser nimmt beim Verdampfen rund 2,3 MJ Wärme mit, mehr pro Kilogramm als jedes andere gängige Löschmittel. Schaum, ABC-Pulver und Fettbrandlöschmittel löschen die Klasse A ebenfalls. Kohlendioxid kühlt zu wenig und erreicht die Glut nicht, deshalb trägt es nie ein A.
Brandklasse B: Flüssigkeiten
Flüssigkeiten brennen nicht selbst. Es brennen ihre Dämpfe über der Oberfläche. Ein Brand der Klasse B wird deshalb gelöscht, indem man die Oberfläche abdeckt und von der Luft trennt, nicht durch Kühlen. Schaum bildet eine Decke, die die Flamme erstickt und neues Verdampfen verhindert. ABC- und BC-Pulver unterbrechen die chemische Reaktion in der Flamme, Kohlendioxid verdrängt den Sauerstoff.
Ein Vollstrahl Wasser ist gefährlich: Wasser ist dichter als die meisten brennbaren Flüssigkeiten, sinkt unter sie und verteilt die brennende Flüssigkeit über den Boden. Ein feiner Sprühstrahl kann die Umgebung und den Behälter kühlen, löscht aber die Lache selbst nicht.
Zur Klasse B gehören auch Stoffe, die beim Erhitzen flüssig werden, etwa Paraffin, Wachs und manche Kunststoffe. Speiseöle und Speisefette sind ausgenommen und haben die eigene Klasse F.
Brandklasse C: Gase
Gas, das aus einer Flasche oder Leitung austritt und brennt, verhält sich wie ein Brenner. Die Flamme lässt sich mit Pulver ausblasen, aber das ist selten eine gute Idee: Das Gas strömt weiter, mischt sich mit Luft und bildet ein explosionsfähiges Gemisch, das auf die erste Zündquelle wartet.
Die Regel für die Klasse C lautet: zuerst die Zufuhr absperren. Solange das Gas brennt, weiß man, wo es ist und was es tut. Gelöscht wird nur, wenn die Zufuhr nicht anders zu schließen ist, und dann müssen sofort alle Zündquellen beseitigt werden. Vorrang hat das Kühlen der Flaschen und der Behälter in der Nähe mit Wasser, denn eine erhitzte Flasche kann bersten. EN 3 kennt keinen Prüfbrand für die Klasse C, deshalb beruht ein C auf dem Löscher auf einem Pulver, das bereits ein A oder B trägt.
Brandklasse D: Metalle
Metalle als Pulver, Späne oder dünnes Blech brennen bei 2000 °C und mehr. Bei diesen Temperaturen zerfällt Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, und beide brennen. Ein Wasserstrahl auf brennende Magnesiumspäne löst eine Explosion aus. Dasselbe gilt für Schaum, der überwiegend aus Wasser besteht. Gewöhnliches ABC-Pulver kann mit manchen Metallen reagieren und den Brand verschlimmern.
Für die Klasse D gibt es eigene D-Pulver, meist auf Basis von Natriumchlorid oder Grafit, die langsam aufgebracht werden und eine Kruste über dem Metall bilden. Im Notfall hilft trockener Sand oder Zement, aber nur, wenn beides völlig trocken ist, denn Feuchtigkeit im Sand verdampft schlagartig und schleudert brennende Teile umher. Löscher für die Klasse D liegen außerhalb der EN 3 und haben kein genormtes Piktogramm. Sie werden nach dem Metall gewählt, das geschützt werden soll.
Metallisches Lithium gehört zur Klasse D. Lithium-Ionen-Akkus enthalten kein metallisches Lithium und gehören nicht hierher. Dazu weiter unten.
Brandklasse F: Speiseöle und Speisefette
Öl in der Fritteuse oder Pfanne entzündet sich von selbst bei etwa 300 bis 350 °C. Der erste Schritt ist deshalb, die Heizung abzuschalten. Wasser ist hier die schlechteste aller Entscheidungen. Wasser ist dichter als Öl, sinkt auf den Boden des Gefäßes, verdampft sofort und dehnt sich dabei etwa 1700-fach aus. Dieser Dampf schleudert das brennende Öl als Feuerball aus dem Gefäß, der die ganze Küche erfassen kann.
Für die Klasse F gibt es ein eigenes Löschmittel, das Fettbrandlöschmittel. Es ist eine Lösung von Kaliumsalzen, die auf dem heißen Öl eine seifige Kruste bildet. Die Kruste trennt das Öl von der Luft und kühlt es, sodass es sich nicht wieder entzünden kann. Pulver und Kohlendioxid dürfen nach EN 3 kein F tragen, und ein CO2-Strahl unter Druck kann brennendes Öl verspritzen. Schaum löscht, bekommt aber kein F, weil er überwiegend aus Wasser besteht und bei grober Anwendung dasselbe bewirken kann wie Wasser.
Ein kleiner Pfannenbrand wird am sichersten mit dem Deckel oder einer Löschdecke erstickt. Danach lässt man das Gefäß abkühlen, ohne es zu bewegen.
Warum es keine Brandklasse E gibt
Ältere Einteilungen hatten eine Klasse E für Brände an elektrischen Anlagen. EN 2 hat sie aus einem einfachen Grund gestrichen: Strom ist kein Brennstoff, sondern eine Zündquelle. Was in einem Schaltschrank brennt, ist Kunststoff und Isolierung, also Klasse A, oder Öl im Transformator, also Klasse B. Ist die Anlage spannungsfrei, wird der Brand wie jeder andere seiner Klasse gelöscht.
Statt einer Klasse steht auf dem Löscher, ob er für den Einsatz an Anlagen unter Spannung geprüft ist. Die übliche Angabe lautet: geeignet für elektrische Anlagen bis 1000 V bei 1 m Abstand. Pulver und Kohlendioxid leiten nicht, Löscher auf Wasserbasis bestehen die Prüfung nur, wenn der Strahl fein genug zerstäubt ist. Ein Löscher ohne diese Angabe darf nicht eingesetzt werden, solange die Anlage unter Spannung steht.
Lithium-Ionen-Akkus und die Klasse L
Ein defekter Lithium-Ionen-Akku gerät in den thermischen Durchgang: Eine Zelle überhitzt, zündet die Nachbarzelle, und so weiter durch das ganze Paket. Der Akku setzt dabei brennbare Gase und einen Teil seines eigenen Sauerstoffs frei, deshalb bringt Ersticken wenig. Pulver und Kohlendioxid löschen die Flamme für einen Moment, aber die Reaktion in den Zellen läuft weiter und der Brand kommt zurück. Löschmittel der Klasse D helfen nicht, weil im Akku kein metallisches Lithium steckt.
Zuverlässig wirkt nur Kühlen mit viel Wasser, lange, und die Beobachtung danach, denn der Akku kann sich Stunden oder Tage später erneut entzünden. Kleine Akkus taucht man am besten in Wasser. Große, etwa im Fahrzeug, werden von außen gekühlt und unter Beobachtung gehalten.
Die internationale Norm ISO 3941 hat in der Ausgabe vom Januar 2026 für diese Brände die neue Klasse L eingeführt. Sie umfasst Lithium-Ionen-Zellen und Akkus ohne metallisches Lithium. Die Klasse L ist noch nicht in die europäischen Normen EN 2 und EN 3 übernommen, deshalb trägt bisher kein tragbarer Feuerlöscher ein L. Die Mittel, die Hersteller für Akkubrände anbieten, haben keinen gemeinsamen Prüfstandard, ihre Aufschrift ist also mit Vorsicht zu lesen.
Gleiche Buchstaben, andere Bedeutung
Die Buchstaben sind nicht überall gleich. Die amerikanische Norm NFPA 10 verwendet A, B, C, D und K: Dort ist C ein Brand an elektrischen Anlagen, K sind Speiseöle, und Gase fallen unter B. Australien und Neuseeland verwenden die europäischen Buchstaben A bis F und kennzeichnen elektrische Gefahren mit einem E in Klammern. Wer einen importierten Löscher oder ein fremdes Handbuch liest, prüft zuerst, welches System gilt.
Das Löschvermögen auf dem Feuerlöscher lesen
Auf dem Etikett stehen die Piktogramme der Klassen, die der Löscher abdeckt, und das Löschvermögen, etwa 13A, 55B oder 75F. Die Zahl vor dem Buchstaben ist die Größe des Prüfbrandes, den der Löscher nach EN 3 gelöscht hat:
- A: die Länge eines Holzstapels in Dezimetern. 13A heißt ein 1,3 m langer Stapel.
- B: Liter brennbarer Flüssigkeit in einer runden Wanne. 55B heißt eine Wanne mit 55 Litern.
- F: Liter Speiseöl. 75F heißt 75 Liter Öl.
Eine höhere Zahl bedeutet einen größeren Brand und mehr Löschmittel. Für die Klassen C und D kennt die Norm keinen Prüfbrand, dort gibt es keine Zahl. Ein Piktogramm mit rotem Kreis und Schrägbalken bedeutet, dass der Löscher für diese Klasse gefährlich ist, nicht nur wirkungslos.
Häufige Fragen
Wie viele Brandklassen gibt es? Nach EN 2 fünf: A (feste Stoffe), B (Flüssigkeiten), C (Gase), D (Metalle) und F (Speiseöle und Speisefette).
Was ist die Brandklasse E? Eine alte Bezeichnung für Brände an elektrischen Anlagen. In EN 2 gibt es sie nicht, weil Strom kein Brennstoff ist. Stattdessen steht auf dem Löscher, ob er unter Spannung eingesetzt werden darf.
Womit löscht man einen Brand der Klasse F? Mit Fettbrandlöschmittel, das auf dem Öl eine seifige Kruste bildet, oder mit Deckel und Löschdecke. Niemals mit Wasser.
Was bedeutet ABC auf einem Pulverlöscher? Dass das Pulver für feste Stoffe, Flüssigkeiten und Gase geprüft ist. Für Speiseöle (F) ist es nicht geeignet, und Metalle (D) brauchen ein eigenes D-Pulver.
Welche Brandklasse hat ein Lithium-Ionen-Akku? In den europäischen Normen noch keine. ISO 3941:2026 hat die Klasse L eingeführt, aber Löscher mit diesem Kennzeichen gibt es noch nicht. Gelöscht wird durch Kühlen mit Wasser und Beobachten.
Quellen
- Fire classification, Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Fire_classification
- Fire classes explained, Riskfire: https://riskfire.org.uk/fire-extinguisher-classes
- New fire class L, ANPI: https://www.anpi.be/en/news/new-fire-class-l
- EN 3-7:2004+A1:2007, tragbare Feuerlöscher, Normvorschau: https://standards.iteh.ai/catalog/standards/cen/37701762-452f-4d46-9843-785342ff5ff1/en-3-7-2004
- Portable fire extinguisher selection guide, Eurofeu: https://www.eurofeu.org/files/Publikationen/TechnischePaper/2014_EUROFEU_PORTABLE_FIRE_EXTINGUISHER_SECTION_selection_guide_08th_Dec_2014.pdf
- Brandklasse, Baunetz Wissen: https://www.baunetzwissen.de/glossar/b/brandklasse-3202191
- Fire extinguisher ratings explained, Fire & Safety Centre: https://fireandsafetycentre.co.uk/blogs/news/fire-extinguisher-ratings-explained